die 10 (oder 9) höchsten alpenpässe:

weil christian ja öfters fad ist und er schon viel zu viel in der welt unterwegs war, pickt er sich immer die gustohäppchen raus und das habe ich auch schon mitbekommen, weshalb ich seinen planungen fast immer blind folge leiste. so ist das ganze für mich eine fahrt ins blaue, da ich ausser daten auf das navi zu übertragen mich nicht mit der route beschäftigt habe und brauche.

 

also zu tag 1: da christian bis mittag noch mit dem uhrenaufziehen beschäftigt ist, ist die abfahrt für 12:55 festgesetzt. pünktlich zu diesem zeitpunkt beginnt es zu regnen, was aber keinen wundert, da ja regengott mirx sich in der nähe aufhält. gleich beim aufstieg auf das vollbepackte moped, entfernt sich ein haken meiner kombihose. vermutlich durch die explosive kraft meiner bauchmuskeln gesprengt (oder was auch immer). die fahrt über schladming, bruck an der glocknerstrasse (wir winken einem zukünftigen ziel zu) und mittersill gestaltet sich wie erwartet: zäh und fad. ausser einen kurzen blick (vom fahrenden moped aus) auf die krimmler wasserfälle gibt es nichts zu berichten – auch keinen tankstop oder kuk-halt (ohne rücksicht auf meinen zucker-spiegel). die alte gerlos strasse endlich lässt freude aufkommen und der regen hat sich auch gelegt. leider war die freude ob der kurven nur von kurzer dauer, da es dann durch tirol mehr oder weniger im standgas bis nach sellrain geht. von da ab ein paar schlenker und wir sind bei ötzi oder zumindest beim ötzi-dorf. am kleinen campingplatz umhausen schnell das zelt aufgebaut (hier gehört gesagt, dass ich durch die harte gonzo schulung und den erwerb derselben luxusvilla als erster richtfest feiern durfte). in einer nahegelegenen pizzeria (la cascata) lassen wir den tag revue passieren und uns das eine oder andere bier schmecken. ausserdem: die erste pizza der tour. danach: gute nacht welt!

 

tag2: die nacht war kurz bzw nicht die nacht sondern die darin enthaltenen schlafstunden. philipp stellt fest, dass seine isomatte ermatte, also das ventil nicht dichtet und er der erde etwas näher ist als geplant. nach einem frugalen frühstück die mopeds gesattelt und voller tatendrang auf den weg gemacht. das timmelsjoch war der erste höhepunkt, wenngleich man (wie für andere höhepunkte im leben auch) einiges dafür bezahlen muss. die raubritter nehmen je 14 teuro für den übergang. am gestrigen tag haben wir bereits eine sperre der gerlos ohne problem ignoriert und versuchen dasselbe beim stilfser joch und erreichen auch ohne viel gegenverkehr die passhöhe, die aber aus allen nähten platzt, weil die westabfahrt wegen einer radveranstaltung bis 14:00 gesperrt ist. wir ziehen es vor wieder zurückzufahren und nehmen nordwärts des joches unsere tagesetappe wieder auf. über einige pässchen geht es wegen bewaffneter wegelagerer im schneckentempo durch die schweiz, wenngelich der albula sich auch bei ca 80+ gut fahren lässt! wir erreichen den campingplatz flims und schlagen unser nachtlager auf. durch den besuch eines supermarktes (ein wahrhaft unerwarteter halt) war es mir möglich, endlich mein schmiedeeisenes pfandl, das sich auch schon am redbullring bewährt hatte, zu benutzen. ein anschliessender fussmarsch zur tankstelle versorgte uns auch mit den nötigen treibstoffen, wiewohl die preise durchaus schladming+ niveau hatten. 7.- für ein bierchen, da kommt mann nicht leicht auf 0,5promille (und das uns, die wir am promilleweg wohnen). die jammerfreie zone im lokal und die dortige wirtin wird in erinnerung bleiben ;-)))

 

tag3: oder besser tag 2,6 da das reiseziel gestern nicht zu erreichen war, beginnt mit regen. also schnell die ausrüstung zusammengerafft und gepackt. die nacht war wieder kurzweilig, also überbrücken wir die geraden strecken wie im schlaf. das zeltleben muss erst gewöhnt werden. dafür sind dann der oberalppass als vorspeise, der st.gotthart als hauptmahlzeit gefolgt vom dessert nufenen alleine schon eine reise wert. (aufgeschrieben habe ich hier: mystische fahrt über die berge. die sonne malt mit den wolken bizarre bilder auf die grünen matten der südwärtigen almen. aber halt, DAS führt jetztdoch etwas zu weit) wir sind jetzt auf der geplanten etappe drei und zockeln gemütlich (dem dortigen sprechtempo angepasst) weiter durch die schweiz. bisher habe ich mich immer durch absolutes nichtnachdenken beim stehenbleiben bei den pass-schildern ausgezeichnet. das versuche ich nun zu ändern. wir befahren den grossen st. bernhard und tatsächlich gelingt mir ein vorbildhaftes einparken bei der passtafel. der darauffolgende start zeichnete sich durch einen absterbenden motor (gang2) aus und einem darauf erfolgenden dumpfen knall, mit dem sich mein lischen zur seite neigt. zum glück verschrammt nur ein seitenkoffer und durch philpp’s tatkräftige unterstützüng befindet sich die xt wieder in der richtigen lage und der weg kann fortgesetzt werden. durch, im sommer grässlich aussehende, wintersportorte und das aosta tal bewegen wir ins richtung auf den mont blanc zu. im camping „mont blanc“ werden die zelte aufgebaut, die nasse ausrüstung getrocknet und das dortige wirtshaus in besitz genommen. somit zeit für pizza nummer 2 und die wohlbekannten besprechungsbiere/weine folgen. philipp stellt fest, dass sein zelt undicht ist und er deshalb mutter natur näher als gewünscht.

 

tag4: frühstück entfällt wie meistens auf der tour und auch philipp bekommt nur ein zigarettchen belegt mit mittel- und zeigefinger. der kaffee bleibt aus. aber: vive la france! endlisch gehtss nach fronkreich und ich kann die baguettes schon krachen hören (und natürlich auch die erdbeertörtchen schon schmecken, was ich aber verschweige, um den hmmm reiseleiter nicht auf falsche gedanken zu bringen). le petit saint bernhard wird überfahren (na ja, nicht wortwörtlich) und die sonne lacht vom himmel. durch das tal der isere geht es zum col de l’iseran, der mir noch gut in erinnerung ist (wenngleich gut hier relativ ist). und tatsächlich gibt es den ersten halt (christian beginnt zu schwächeln, möglicherweise der schlaf und/oder suzanne-entzug der sich bemerkbar macht). erdbeertörtchen und apfelschnitte… weitere höhepunkte folgen: der gestärkte christian nimmt am col du telegraphe die verfolgung eines (möglicherweise mit einer fahrerin besetzten) bmw 320 auf. der/die streckenkundige schenkt dem aufgemotzten 4rädrer nichts und so erreichen wir mit mehr oder weniger rauchenden reifen die passhöhe. es folgt der wunderschöne col du galibier. erst danach verfinstert sich der himmel und es beginnt zu regnen. philipp’s regendress verliert einen klettverschluss. wir beschliessen uns in barcelonette einen campingplatz zu suchen und das klappt auch vorzüglich. vor dem aufbau der zelte müssen wir wegen abwarten des endes der niederschläge noch das eine oder andere bier zu uns nehmen was den darauf folgenden zeltbau nicht gerade erleichtert. ein carrefour versorgt uns mit speis und trank und der campingplatzbetreiber mit dem einen oder anderen zusätzlichen bier. philipps neuerworbenes zelt entpuppt sich als im regen nicht aufstellbar und christian wirkt auf murmeltiere wie ein abgrund für lemminge. sie wollen unbedingt durch seine ktm ihr leben am asphalt aushauchen.

 

tag5: wir beschliessen unser basiscamp hier für die nächsten zwei tage zu belassen um uns etwaige regenauf/abbauten zu ersparen und etwas unbeschwerter die gegend hier zu erkunden. bei strahlendem sonnenschein geht es auf den coll d’allos und in malerischen orten werden sogar bildmotive genutzt. durch den weisen rat christian’s fahren wir durch den gorges de daluis. wobei fahren hier wohl nicht der richtige ausdruck ist, da wir uns eher im schneckentempo bewegen und mit offenem staunenden mund diese gewaltig schöne landschaft geniessen. col de valberg, col de la couillole sind schon spektakulär zu fahren. den danach kommenden col de la bonette nehmen wir zweimal unter die (beim ersten mal rauchenden) räder. christian hat auch hier mit 2-3 selbstmordkandidaten zu kämpfen. bei der zweiten runde suchen wir den einstieg zu einer schotterstrasse, die sich aber im unteren teil als wanderweg entpuppt. bei der zweiten abfahrt sehe ich eine mögliche abfahrt, die sich aber zu diesem zeitpunkt nicht verifizieren lässt. wie immer beginnt es kurz nach der rückkehr zu regnen. morgen ist ein regenruhetag geplant, gute nacht.

 

tag6: der schlaf im zelt wird besser. aus dem zelt geschaut und siehe da: die sonne scheint. wir beschliessen auf den ruhetag zu verzichten und weiterzufahren. als erstes hochlicht fahren wir wieder einmal den col de la bonette, diesmal aber nord/süd und wir finden den einstieg zur schotterei, haben aber keine zeit. c’est la vie…. und weiter geht die reise durch das fürchterlich schaurige winterdorf isola zum col de la lombarde der eine geradezu fantastische aussicht weit nach italien hinein bietet. ab hier folgt eine absolut geniale streckenführung von christian (siehe: http://www.dangerousroads.org/europe/italy/4140-colle-di-valcavera.html ) colle divalcavera (mit steinskulptur für den verstorbenen radrennfahrer marco pantani), colle de esischie , colle dei morti – kaum zu glauben, dass der giro hier auch ab und an vorbeikommt. eng (handtuchbreite), kurvenreich, steinschlag aber eine megageniale gegend. eine unvorstellbare aussicht, die uns leider schon wieder durch das schlechtwetter und aufkommenden regen verstellt wird. colle di sampeyre und wie immer im regen über den colle di agnello zum col d'izoard. die superlative reissen nicht ab. wir kommen zum tagesende und damit zu einem campingplatz wieder in italien und zwar in salbertrand (auch wenn es nach fronkreich klingt). pünktlich nach der ankunft hört der regen auf, wir nehmen aber das angebot des „chalet“ an (eher ein microhüttchen mit drei feldbetten). wir können unsere nassen klamotten im heizraum aufhängen, dadurch aber erst frühestens um 09:00 starten, da der raum erst um 08.30 aufgesperrt wird. im dortigen restaurant nehmen wir einige bier und die obligate pizza. es erscheint auch die schöne morgenröte, obwohl es bereits abend ist. buona notte!

 

tag 7: wie immer ohne frühstück (ok, ich hatte noch ein paar „gute mutter“-keks in reserve und wasser) aber mit trockener kleidung. leider droht bereits das baldige ende unserer reise. wir starten trotzdem guten mutes in die eher langweilige etappe quer durch italien. an turin und mailand vorbei und die schönheit des comer sees kaum sehend erreichen wir im regen (klar) unseren campingplatz. auch hier wird uns eine hütte empfohlen, für die der ausdruck chalet in diesem fall passender wäre. endlich strom aus einer steckdose – zivilisation, du hast mich wieder – und ein feudaler speiseraum mit ebensolchen speise/dessert/weinkarten. wir nutzen die gebotenen möglichkeiten (gut, pizza war wahrscheinlich nicht der beste einfall) und ergeben uns dem alkohol in homöopathischen dosen. nach einer ruhigen nacht (philipp erzählt uns geschichten und zeigt uns wie gut er seine rhonchopathie im griff hat;-) )

 

tag8: im frühtau zu berge wir ziehn valera... der blick nach draussen offenbart verschneite gipfel. wir starten unsere treuen rosinanten und fahren gaviawärts. ein entgegenkommender schneepflug (mit schnee am schild) verheisst zumindest eine geräumte strassse. wir fahren, wie im jänner unsere elefanten, durch schneebedeckte natur. endlich erscheint ein refuggio und die obligate passtafel. hurra, geschafft! leider ist aber nur diese seite vom schnee befreit. die abstiegsseite ist mit unberührten 15 cm schnee zugedeckt. also kommando retour und über das stilfser joch (diese seite hat uns ja auch noch gefehlt) und den umbrail pass wieder in die schweiz. noch schnell beim reschenpass wegen der uhrzeit vorbeigeschaut und nachsehen ob christian da noch hilfe bringen kann (war ja schon lange geplant). dann von hier aus die langweilige strecke durch tirol bis endlich die strecke über dienten etwas freude aufkommen lässt. dann über filzmoos und öblarn, irdning nach hause.

 

fazit: per aspera, ad astra. wie hannibal, seine truppen und elefanten über die alpen gelangt sind, ist mir ein absolutes rätsel. dafür: christian, du bist eine wucht! eine sensationelle planung verschaffte uns kurvenfreude der allerersten güte. die absolut geniale landschaft der hochalpen ist zumindest für mich die beste gegend zum mopedfahren und kommt hier mit einigem abstand vor sardinien (aber ich bin ja noch anfänger und kenne wenig).

spritverbrauch: gering

alkoholkonsum: homöopathisch

kuk: nicht vorhanden

essen: ausreichend

regen: etwas zuviel

gefahrene kilometer: es sind nie genug

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